100 Jahre Turn- und Sportverein Laineck
Rückblick in die Vereinsgeschichte
Mit den folgenden Zeilen soll ihnen die Aufbauarbeit des Lainecker Sportvereins seit seiner Gründung vor Augen geführt werden. Die Aufzeichnungen wurden u. a. auch auszugsweise der Festschrift zum 50. Vereinsgeburtstag entnommen, die seinerzeit von unserem unvergessenen Sportkameraden Werner Kellner (t) verfasst worden war.
Durch die Einwirkung zweier Weltkriege, ihre bittere Folgezeit sowie die oftmaligen personellen Wechsel in den Vereinsfunktionen sind wichtige Informationen und Unterlagen, die zur genauen Wiedergabe dieser Chronik notwendig gewesen wären, verlorengegangen. Oft konnte also nur das Gedächtnis unserer ,Alten", ehemaliger aktiver und passiver Mitarbeiter und Sportfreunde, die Brücke vom einen zum anderen Zeitabschnitt schlagen helfen.
Wir bitten deshalb um Verständnis, wenn kleine Lücken oder Unterlassungssünden des Verfassers entdeckt werden sollten.
Erste Schritte Der Zusammenschluss zur ,,Freien Turnerschaft Laineck" erfolgte am 16. Juni 1910, als bereits in Bayreuth, St. Johannis und anderen Orten die Turnbewegung Einzug gehalten hatte.
Erste Hilfestellung leistete unser Patenverein, der TUSPO. 98 Bayreuth, (heute BSV 98), allen voran Turnkamerad Heinrich Gräf, der spätere BLSV-Bezirksvorsitzende. Gastwirt Hacker ermöglichte mit einem Darlehen (750,-- Mark) die Beschaffung der Grundausstattung (Barren, Reck, Hanteln) für die von August Meyer aus St. Johannis geleitete Turnabteilung, die auch eine eigene Theatergruppe umfasste. Erster Vorsitzender war damals Konrad Freiberger, sein Stellvertreter Wolfgang Rieß.
Das einjährige Stiftungsfest im Hacke-Saal mit Umzug und Schauturnen war bereits ein erster markanter Punkt für den Fortbestand und die Zukunft des jungen Vereins, die jedoch mit dem Ausbruch des ersten Weltkrieges von dunklen Schatten begleitet war.
Neues Wirken Die überlebenden dieses Krieges haben unter der Turnerdevise ,,frisch, fromm, fröhlich, frei" alsbald neu begonnen. Der Wiederaufbau des Vereins stand unter seinem ersten Vorsitzenden Adam Hereth, der später sein Leben im Konzentrationslager lassen musste. Die Turnabteilung blühte auf, Jugendarbeit wurde ein besonderes Anliegen des Sportkameraden Wächter und Pöhlmann.
Unaufhaltsam griff in dieser Zeit eine weitere Sportart um sich, das Fußballspiel. Unter Spielleiter Konrad Freiberger bildete sich 1922 erstmals eine Fußballmannschaft beim Lainecker Sportverein, die 1923 offiziell den Spielbetrieb aufnahm, allerdings unter Voraussetzungen, die heute kaum mehr akzeptier werden dürften. Um den Aufbau einer Jugendmannschaft sorgte sich damals Fritz Gräbner.
Eigene Sportanlagen Im Jahre 1927 hatten die zähen Verhandlungen mit drei Lainecker Landwirten um den Erwerb des Geländes für einen lang ersehnten Sportplatz endlich Erfolg. ,Anteilscheine" der Mitglieder zur Deckung der Verbindlichkeiten sowie große Eigenleistungen ermöglichten die baldige Einweihung des vereinseigenen Sportplatzes, dem 1928 bereits der Bau eines Umkleidehauses folgte. Im gleichen Jahr wurde der Verein in das Vereinsregister mit dem Namen ,,Turn- und Sportverein Laineck e.V." eingetragen.
Anfang 1930 wurde dem Wunsch der Turnabteilung, die nach wie vor im HackerSaal trainierte, Rechnung getragen und der Beschluss zur Errichtung einer Turnhalle gefasst. Zum Bauleiter wurde Hans Sticht bestimmt, der nach 1946 ein Vierteljahrhundert lang das Vereinsschiff führen sollte. Der Holzbau im Ausmaß von 15 x 12 Metern wurde den Bedürfnissen der Turner gerecht. Die Finanzierung sicherten Darlehen des Gastwirtes Steinlein, der Brauerei Maisel und Eigenleistungen der Mitglieder, wobei wiederum Hans Sticht besonders hervorzuheben war. Die Sportstätte wurde Pfingsten 1930 ihrer Bestimmung übergeben.
Opferbereitschaft, Kameradschaftsgeist und Idealismus hatten ein Werk geschaffen, das für die damalige Zeit beispielhaft war. Der Verein konnte eigenen Grund und Boden nachweisen, nannte einen Sportplatz und eine, wenn auch bescheidene, Turnhalle sein eigen. Die Folge war eine sichtbare sportliche Aufwärtsentwicklung bei den Fußballern wie bei den Turnern.
Jähes Ende Im Jahre 1933, dem Jahr der ,,Machtübernahme", wurde dieser Aufwärtsentwicklung ein Ende gesetzt. Die Sportvereine wurden von den Machthabern des Dritten Reiches aufgelöst. Es wurde empfohlen, Besitz und Inventar der SA oder HJ zur Verfügung zu stellen. Auch Sportplatz und Gebäude des Sportvereins Laineck wurden veräußert. Auf dieses dunkelste Kapitel der Vereinsgeschichte näher einzugehen, sträubte sich die Feder des Verfassers. Mit Leid und Trauer endete ein Zeitabschnitt, über den an anderer Stelle genug niedergeschrieben ist. Tatsache ist, dass der furchtbare zweite Weltkrieg auch in die Reihen der Lainecker Sportler tiefe Lücken geschlagen hatte
Wiederaufbau und Neuzeit Denkwürdiger Tag für die jüngere Vereinsgeschichte war der 17.2.1946. Der TSV Laineck wurde wieder gegründet. Alte und junge Sportkameraden bekräftigten ihren Willen, von vorne anzufangen. Vorsitzender ,,Papa" Hans Sticht und seine Gründungsmannschaft Johann Georg Hübner, Heinrich Hübner, Fritz und Wolfgang Opel, Georg Bauer und Karl Rieß begannen aus dem Nichts.
Erste Schritte waren die Bildung einer Fußballmannschaft und die Schaffung eines Spielfeldes. Nachdem die Benutzung des alten Lainecker Flugplatzes von den Amerikanern untersagt worden war, musste Vorsitzender Sticht umgehend den Kampf um das dem Verein 1933 entrissene Eigentum aufnehmen. Nach sage und schreibe neun Prozessen war das Sportgelände 1951 endlich wieder Eigentum des Vereins. Ungeachtet dessen fand die Sportplatz-Einweihung bereits Pfingsten 1946 statt. Auch die Planung für ein massives Sportheim war vorbereitet. Allen Widersachern zum Trotz wurde 1948 der Grundstein gelegt. Im Herbst 1951 wurde mit dem Bau begonnen. Die Einweihung erfolgte im Jahre 1952. Eine Terrasse, auf die 1955 ein Nebenzimmer gesetzt wurde, war der nächste Schritt. Bei der 50-Jahrfeier im Jahre 1960 blickte man mit Stolz auf das Geschaffene. 1963 wurde der Küchenanbau aufgestockt. Eine Pächterwohnung stand jetzt zur Verfügung. Der verdiente Vereinswirt Karl Rieß wurde auf eigenen Wunsch entlastet, das Heim konnte zu guten Bedingungen verpachtet werden. Die Fahnenweihe und die 20-jährige Feier zur Wiedergründung des Vereins im Jahre 1966 war Anlass zu Dank und Anerkennung an viele Mitglieder und Freunde, die selbstlos und mit großem Idealismus die Aufbauarbeit ermöglichten.
Vom 12. - 15.6.1970 wurde das 60-jährige Jubiläum unter der Schirmherrschaft von 1. Bürgermeister Max Rieß mit einem bunten bayerischen Abend, einem Festkommers und vielen sportlichen Vorführungen gefeiert.
Anfang 1971 ging die Ära Sticht zu Ende. Mit Stolz konnte Hans Sticht auf ein Werk blicken, das hauptsächlich seiner Initiative entsprungen war. Willi Hereth wurde erster Vorsitzender. Hans Sticht erkor man zum Ehrenvorsitzenden. Mit seinem Tod 1983 ist ein Stück Tradition Lainecker Vereinsleben ausgelöscht worden.
Die Erhaltung der Sportanlage und der Gebäude stand auch in dieser Zeit im Vordergrund. Ein neues Dach am Wirtschaftsgebäude und die Verbesserung der Umkleide- und Duschräume waren notwendig.
In der Hauptversammlung im Frühjahr 1974 wurde Helmut Steininger zum ersten Vorsitzenden gewählt, der mit seinem Dank an Willi Hereth einen Vorgänger verabschiedete, der selbstlos und mit viel Idealgeist das Vereinsschiff drei Jahre lang weitergelenkt hatte. Seine Meinung und seine Ratschläge werden auch heute noch gerne in Anspruch genommen. Das Geschaffene zu erhalten und zu verbessern war die Devise des neuen Vorsitzenden in den ersten Jahren seiner Tätigkeit, gut unterstützt von seinem Vertreter Manfred Opel.
Die Eingemeindung Lainecks in die Stadt Bayreuth war 1972 vollzogen worden. Die Schulturnhalle konnte mitbenutzt werden, die Turnabteilung blühte auf. Der Verein schloss sich dem Stadtverband für Leibesübungen und dem Stadtjugendring an. Vom Finanzamt Bayreuth wurde die Gemeinnützigkeit erwirkt. 1978 musste die veraltete Wasserleitung bis zur Hauptstraße neu verlegt werden. Der bereits einmal angepachtete Ausweichplatz, die Dürrleinswiese, wurde mit Hilfe der Stadt Bayreuth wieder übernommen. In der gleichen Zeit wurden die Weichen für einen Erweiterungsbau gestellt, der Umkleide- und Duschräume sowie neue Toiletten für den Wirtschaftsbau umfassen sollte. Die Grundsteinlegung erfolgte Ende August 1984. Bei der Weihnachtsfeier am 22.12.1984 war der 1. Bauabschnitt mit den neuen Toiletten fertiggestellt. Wieder wurde ein Werk begonnen das unserer Sportjugend gewidmet sein wird, um ihr die entsprechenden Voraussetzungen bei der Ausübung ihrer sportlichen Betätigung zu bieten. Die erst 1986 zu erwartenden Restmittel aus der Sportförderung zwangen zu einem vorläufigen Baustop. Mit Eigenleistungen und Spendenmitteln soll zunächst an ein Weiterbauen gedacht werden.
Daß mit diesem auf rund 300000,-- DM veranschlagten Bauwerk die Finanzkraft des Vereins bis auf's „äserste erschöpft ist, steht außer Zweifel. Eine Anhebung der Mitgliedsbeiträge sollte deshalb überdacht werden. Soweit ein überblick über den wirtschaftlichen Aufbau des Vereins bis zurheutigen Situation.
Sportliche Entwicklung Die sportliche Entwicklung konnte mit Hilfe der Aufzeichnungen unseres früheren Chronisten Max Böhner (t), seines Nachfolgers Max Gleißner und der Kleinarbeit von Rainer Kappauf nachvollzogen werden. Die Zeit der Vorkriegsjahre ist in den bisherigen Aufzeichnungen bereits gestreift worden. Nach der Wiedergründung stand Fußball im Vordergrund. Hier die Mannschaft, die 1946 im Frühjahr zum ersten Spiel in Weidenberg antrat: Heinz Schmidt, Hans Kappauf, Hans Kellner, Fritz Igl, Max Rieß, Fritz Opel, Andreas Hübsch, Max Böhner, Willi Hereth, Hans Jarosch und Konrad Böhner.
Die Einweihung des neuen (alten) Sportgeländes erfolgte Pfingsten 1946, obwohl die Wiedergutmachungs-Verhandlungen noch lange nicht abgeschlossen waren. Ab 1947 gehörte die Lainecker ,,Erste" der B-Klasse an. 1950 scheiterte der Aufstiegsversuch in die A-Klasse nach einer guten Meisterschaftsrunde. Mit 33:3 Punkten wurde 1953 erneut die Meisterschaft und der Aufstieg erkämpft. Ein Gastspiel in der 2. Amateurliga Oberfranken-Ost (1957/56), der heutigen Bezirksliga, war der bisherige Höhepunkt in der Lainecker Fußallgeschichte. Es spielten damals u. a. Erich Rieß, Herbert Hofmann, Albert Kilchert, Adolf Sommer, Georg Beyer, Helmut Steininger, Adam Rieß, Andreas Wolfrum, Karl Freiberger, Rudi Sahrmann und Manfred Opel. Bis zum Jahre 1971 waren die Lainecker dann als gefürchteter, aber auch sportlich geachteter A-klassist Stolperstein für viele Gegner. Dem kurzfristigen Wechsel in die B-KIasse folgte erneut der Aufstieg, bis sich ein Tief anbahnte, das sogar einen Ausrutscher in die unterste Spielklasse zur Folge hatte. Die B-Klasse wurde wieder erkämpft; die heutige Mannschaft, die mit einem guten Nachwuchs rechnen kann, gibt zur berechtigten Hoffnung Anlass, die A-Klasse als Nahziel zu sehen. Eine Reserve-Mannschaft besteht ebenfalls bereits seit 1947 und bildet die Fundgrube für die Betreuer bei der Auswahl für die erste Garnitur.Jugendarbeit ist der wichtigste Teil im Aufbau der Aktiven. Sie ist in Laineck schon immer groß geschrieben worden und liegt in den besten Händen, wenn sich auch gelegentlich, wie in der kommenden Saison, Nachwuchssorgen einstellen. Tradition, Kameradschaft und Geselligkeit pflegt schon jahrzehntelang ein Altligateam, das die Farben des Vereins oft weit über die Grenzen Bayreuths hinaus würdig vertritt Turnen im Verein Turnen stand nach der Gründung 1910 an erster Stelle im Verein, obwohl 1922 bereits eine Fußballabteilung bestand. Die Nachkriegsjahre gehörten mehr dem Fußball, der auch heute noch das Hauptgewicht bildet. Trotzdem hat sich Ende der Sechziger-Jahre eine stets aufwärts zeigende Entwicklung im Turnen abgezeichnet. Edwin Wolf als Initiator des Kinderturnens und Annemane Petzold im Aufbau der Damengymnastik haben sich große Verdienste erworben. Erika und Dieter Rindfleisch sind ebenfalls seit Jahren aus der Turnbewegung nicht mehr wegzudenken und steuern heute noch mit viel Liebe und Geschick die umfangreiche Aufbauarbeit.
Beachtliche Erfolge wurden in den späteren Siebzigerjahren bei Turnfesten und Meisterschaften mit der Gymnastikgruppe erzielt. Heute bildet das Kinderturnen, das mit geprüften Übungskräften durchgeführt wird, den Grundstock für den Turnernachwuchs. Turnen, Gymnastik, Volleyball und Lauf-Treffs sind das derzeitige Angebot, das zahlreich und gerne in Anspruch genommen wird. Eine starke Damengruppe, eine Jugendabteilung und die männlichen Turnfreunde sind recht aktiv und nutzen den Vorteil, den die Stadt Bayreuth mit der Überlassung der Schulturnhalle bietet.
Für das 75-jährige Jubelfest des TSV Laineck war die Vorstandschaft bemüht, ein mehrgängiges Programm zu gestalten, das der Größe und der Vergangenheit des Vereins würdig ist. Das Jubiläum soll nicht nur an die Arbeit, die Mühen und Kämpfe der Vergangenheit erinnern, es soll gleichermaßen als Aufruf gelten, nicht auf dem Geschaffenen auszuruhen, sondern alle Kräfte auch weiterhin zu mobilisieren zur Ehre und zum Ansehen des Vereins.
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